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Italien schaltet den Atomturbo ein – wo bleibt die Schweiz?

Der Schweizer Nationalrat hat die Entscheidung über die Streichung des Neubauverbots für Kernkraftwerke vorerst verschoben und den Vorschlag an den Bundesrat zurückgewiesen, während in Italien das Parlament bereits ein Rahmengesetz für die Rückkehr zur Atomenergie verabschiedet hat, das de ...

Italien schaltet den Atomturbo ein – wo bleibt die Schweiz?
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Die Themen diese Woche:

Italien bereitet die Rückkehr zur Atomkraft vor und läuft der Schweiz den Rang ab

Worum geht es?

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Kommentar: Italien droht der Schweiz bei der Atomenergie den Rang abzulaufen. Während es hierzulande auch bei einer Streichung des AKW-Neubauverbots wohl noch viele Jahre dauert, bis möglicherweise der Bau von Ersatz-Kernkraftwerken in Angriff genommen wird, hegt Italien bereits konkrete Pläne. Zwar kann man Zweifel haben, dass es dem südlichen Nachbar trotz jahrzehntelanger Atom-Abwesenheit gelingt, schon bis Mitte der 2030er-Jahre SMRs ans Netz zu bringen. Doch die Regierung scheint immerhin fest entschlossen dazu zu sein. Da kann man nur sagen: Hopp Schwiiz! Was Rom zustande bringt, sollte doch auch Bern schaffen.

Mit dem Geld für die Reservekraftwerke wäre schon fast ein halbes AKW gebaut

Worum geht es?

Kommentar: Nirgendwo sonst zeigt sich das Versagen der Schweizer Energiepolitik so gegenständlich wie bei den geplanten Reservekraftwerken. Jahrzehntelang haben die tonangebenden politischen Kräfte die Warnungen vor einer Stromlücke weggelächelt und als Angstszenarien der «Atomlobby» abgetan. Hätte die Schweiz die Warnungen aber ernst genommen und frühzeitig zusätzliche Kernkraftwerke bereitgestellt – etwa in Kaiseraugst und Graben –, wären keine Lückenbüsser-Kraftwerke nötig. Jetzt aber muss man tief ins Portemonnaie greifen für Reservekraftwerke, die womöglich nie eine einzige Kilowattstunden ins Netz einspeisen. Mit den 2,3 Milliarden Franken könnte man schon fast ein halbes Kernkraftwerk finanzieren, das während 60, 70 oder sogar 80 Jahren zuverlässigen Bandstrom liefert. 

Ein renommierter Klimaforscher betreibt Publikumsbeschimpfung

Worum geht es?

Kommentar: Was Stefan Rahmstorf hier von sich gegeben hat, lässt sich so zusammenfassen: «Wir gescheiten Wissenschaftler versuchen dem Volk beizubringen, wie schlimm der Klimawandel ist. Aber die Menschen sind zu dumm und zu ungebildet, als dass sie es kapieren würden. Darum gehen sie bösen Gestalten auf den Leim.»

Nun ja, ich kann den Ärger von Rahmstorf nachvollziehen. Gerade in letzter Zeit haben Apokalyptiker wie er spürbar an Einfluss verloren. Das Volk hat allmählich genug vom ständigen Katastrophengedröhn und ahnt, dass die angemahnte Klimapolitik zu seinem Schaden wäre. Kurz gesagt: Stefan Rahmstorf sieht seine Felle davonschwimmen. Und das entsetzt ihn natürlich.

Um zum Schluss noch dies:

Letzte Woche hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er zwei Initiativen, die sich gegen Windräder richten, ablehnt (siehe hier). Es geht einerseits um die Gemeindeschutz-Initiative, die verlangt, dass die Standortgemeinden immer ihre Zustimmung zu einem Windpark geben müssen. Andererseits handelt es sich um die Waldschutz-Initiative, die den Bau von Windkraftanlagen in Wäldern untersagen will. Beide Volksbegehren wurden im letzten Sommer von den Landschaftsschützern des Verbandes Freie Landschaft Schweiz eingereicht (siehe hier).

Gegen die Initiative ist aber nicht nur die Regierung, sondern unter anderem auch eine ganze Reihe von Umweltverbänden – insbesondere Pro Natura, WWF, Greenpeace und BirdLife (siehe hier). Sie haben sich Anfang Juni zur sogenannten Umweltallianz gegen die beiden Initiativen zusammengefunden.

Diese Verbände sind also dafür, dass Windturbinen, die über 200 Meter hoch sind, mitten in Wäldern gebaut werden können. Dafür muss pro Turbine hektarweise Wald gerodet werden. Es müssen befestigte Strassen für den Transport des Materials und der Rotoren erstellt werden. Schliesslich müssen die Sockel aus vielen Tausend Tonnen Beton in den Boden gelassen werden. Und wenn diese Windrad-Ungetüme einmal in Betrieb sind, töten sie mit ihren drehenden Rotoren unablässig Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. Das alles geschieht, obwohl am Ende doch nur Flatterstrom entsteht, von dem man nie weiss, ob er kommt oder wegen Flaute einmal mehr ausfällt.

Dabei weinen diese Umweltverbände normalerweise jeder Blume nach, die unter die Räder kommt. Ich finde, man sollte sie ab sofort nicht mehr Umweltschutz-Organisationen, sondern Umweltzerstörungs-Organisationen nennen.  

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Alex Reichmuth
alex.reichmuth@nebelspalter.ch

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