Die Fakten: Forscher der niederländischen Universität Leiden rechnen in einer neuen Studie vor, dass die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung durch ihren Konsum einen Umweltschaden von 1,7 bis 5,7 Billionen Dollar pro Jahr verursachen.
Warum das wichtig ist: Klimaaktivisten beschuldigen sogenannte Superreiche regelmässig, durch ihren angeblich exzessiven Konsum der Erderwärmung Vorschub zu leisten. Ein Dorn im Auge sind ihnen etwa Privatflugzeuge und Luxusyachten. Die niederländischen Forscher hüllen solche Empörung nun in ein quasi-wissenschaftliches Gewand.
Das Zitat: «Einige wenige zehren grosse Teile des [Klima-]Budgets auf, während die Ärmeren unter den Folgen leiden.» («Spiegel» in einem Kommentar zur neuen Studie, 19. Juni 2026, siehe hier)

Die Studie im Detail (siehe hier):
- Die Studie ist vor Kurzem im Fachblatt «Communications Sustainability» erschienen.
- Inhaltlich geht es darum, die Auswirkungen des Konsums der reichsten zehn Prozent der Menschen (also rund 800 Millionen Personen) auf den Klimawandel, die Integrität der Biosphäre, biogeochemische Kreisläufe und die Süsswassernutzung zu beziffern.
- Das Resultat ist, dass die globalen Top-Ten angeblich jährliche Umweltschäden von 1,7 bis 5,7 Billionen Dollar verursachen.
- Das entspricht einem verursachten Schaden von jährlich 19’000 bis 63’000 Dollar durch jede Person dieser Bevölkerungsgruppe. Umgerechnet macht das sechs bis zwanzig Prozent von deren Einkommen oder 0,8 bis 3 Prozent von deren Vermögen aus.
- Am meisten ins Gewicht fallen dabei angebliche Schäden wegen des Verlusts an biologischer Vielfalt mit einem Anteil von 47 bis 56 Prozent sowie Schäden wegen des Klimawandels mit einem Anteil von 36 bis 45 Prozent.
- Die obersten zehn Prozent der weltweiten Konsumenten seien «in unverhältnismässigem Masse» dafür verantwortlich, dass die Belastungsgrenzen überschritten würden, schreiben die Autoren.
- Sie plädieren faktisch dafür, diese Schäden den reichsten zehn Prozent in Rechnung zu stellen: «Diese Kosten (...) zeigen (...), welche Einnahmen durch Umweltsteuern erzielt werden könnten, wenn das Verursacherprinzip konsequent angewendet würde.»
Zur Systematik: Der «Nebelspalter» hat versucht zu erfassen, wie die niederländischen Forscher auf die eindrücklichen Billionenschäden kommen:
- Die Forscher versuchen, jeder ausgestossenen Tonne CO₂ einen fixen Betrag für Klimaschäden zuzuweisen. Ebenso wird einem Kilogramm Stickstoffüberschuss ein bestimmter Wasserschaden, einem Quadratmeter verlorener Biodiversität ein bestimmter Ökosystemschaden und einem Kubikmeter an fehlendem Wasser ein bestimmter Knappheitsschaden zugewiesen.
- Allein die weite Spanne von 1,7 bis 5,7 Billionen Dollar pro Jahr zeigt aber, dass es sich um ziemlich unsichere Wertbemessungen handelt.
- So kommt die Studie auf theoretische Schadenszahlen. Man bekommt den Eindruck jedoch nicht los, dass es sich über weite Strecken viel mehr um Kaffeesatzlesen als um Wissenschaft geht.
Zum Vergleich: Schäden wegen Verlust der Artenvielfalt in der Schweiz (siehe hier):
- Als vor zwei Jahren die Abstimmung über die links-grüne Biodiversitäts-Initiative anstand, führten die Befürworter in der Öffentlichkeit an, der Verlust der Artenvielfalt würde die Schweiz jährlich 14 bis 16 Milliarden Franken kosten, wenn nicht gehandelt würde.
- Diese Werte stützten sich auf eine Studie des Berner Beratungsbüros Ecoplan von 2010, deren Systematik an diejenige der niederländischen Forscher erinnert.
- Dabei wurden etwa Milliardenschäden wegen verlorener Moose, gerodeter Wälder, verschwundener Moore und degradierter Böden in Rechnung gestellt, deren Existenz in Wirklichkeit aber nicht im Geringsten bedroht scheint.
- Die Autoren von Ecoplan gaben in der Studie zu, dass die Wechselwirkungen zwischen Biodiversitätsverlust, Klimawandel und wirtschaftlicher Entwicklung «ausserordentlich komplex» seien. Deshalb seien Kostenschätzungen zur Biodiversität mit Zeithorizont 2050 «kaum möglich und mit sehr grossen Unsicherheiten verbunden.»
Meine Einschätzung:
- Es deutet alles darauf hin, dass es sich bei der neuen niederländischen Studie um eine windige Zahlenakrobatik handelt, die einer nüchternen Einschätzung kaum standhält.
- Im Grunde ist das Resultat der Studie jedoch banal. Denn reiche Menschen konsumieren erwartungsgemäss nun einmal mehr als Menschen mit wenig Geld.
- Solche «Ergebnisse» schüren aber den Neid gegenüber vermögenden Personen. Hier wird Klassenkampf unter dem Deckmantel der Wissenschaft und des Umweltschutzes betrieben.