Zum Inhalt springen

Donald Trump und seine «aussergewöhnlich» gute Gesundheit

Donald Trumps Gesundheitszustand wird von seinem Umfeld als herausragend beschrieben, was angesichts seines Alters und öffentlich sichtbarer Auffälligkeiten wie Hämatomen oder Müdigkeit skeptisch betrachtet wird. Ähnlich wie bei historischen Machthabern – von Ludwig XIV. über Stalin bis Ma ...

Donald Trump und seine «aussergewöhnlich» gute Gesundheit
Veröffentlicht:

Die Fakten: Das Pressebüro von Donald Trump hat vor kurzem verlauten lassen, der US-Präsident sei «aussergewöhnlich gesund» (siehe hier).

Warum das wichtig ist: Die Verklärung des Gesundheitszustands von Machthabern hat eine lange Tradition. In der Geschichte neigten vor allem autokratische Herrscher dazu, ihren physischen und mentalen Zustand als geradezu überirdisch gut darzustellen.

Trump und sein Gesundheitszustand (siehe hier):

Sponsored Content
Entspannt weiter fahren
Der Leapmotor B10 Hybrid EV fährt immer elektrisch – nimmt aber für lange Strecken einen Benzinmotor als Stromgenerator mit. Dank dieser Kombination gehört Reichweitenangst der Vergangenheit an ohne dass auf das dynamische Fahrgefühl eines Elektroautos verzichtet werden muss.

Die verklärte Gesundheit von Machthabern: Einige Beispiele:

1. Ludwig XIV. (1638-1715): Die Gesundheit des französischen Sonnenkönigs war von besonderer Wichtigkeit, denn er war ja angeblich identisch mit dem Staat. Wäre es Ludwig XIV. also nicht gut gegangen, wäre ganz Frankreich darnieder gelegen. Also vermeldete sein Hof täglich: «Le roi se porte bien.» («Der König befindet sich in gutem Zustand.») In Wahrheit litt der König ständig unter irgendwelchen Krankheiten, unter anderem an Fieber, Infektionen, Zahnproblemen, Gicht, Verdauungsproblemen und Hautkrankheiten. Immerhin: Er starb erst mit 76 an einem Wundbrand und wurde für damalige Verhältnisse ausserordentlich alt (siehe hier und hier).

2. Franklin D. Roosevelt (1882-1945): Der 32. US-Präsident war seit einer Polio-Erkrankung im Jahr 1921 an den Rollstuhl gebunden. Es gab während seiner zwölfjährigen Amtszeit aber nur drei Bilder, die ihn in diesem Gefährt zeigten. Roosevelt bezeichnete sich gerne als «fit wie ein Bullenelch». In Wahrheit litt er spätestens ab 1940 an einer Krebserkrankung. Doch sein nachfolgender körperlicher Verfall wurde der Öffentlichkeit verheimlicht. Gemäss dem Bericht von zwei Neurologen war Roosevelts Gehirn bei der wichtigen Konferenz in Jalta im Februar 1945 bereits zu grossen Teil von Metastasen zerfressen (siehe hier).

3. Adolf Hitler (1889-1945): Der Gesundheitszustand des deutschen Führers und Massenmörders wurde in der Öffentlichkeit gezielt beschönigt. Sein Image war das eines disziplinierten, asketischen und gesunden Menschen. In Wahrheit hatte Hitler zunehmend gesundheitliche Probleme. Dazu zählten chronische Magen-Darm-Beschwerden, arterielle Beschwerden und mutmasslich eine Parkinson-Erkrankung. Um aber den Mythos der Unverwundbarkeit aufrechtzuerhalten, wurden solche Probleme verheimlicht oder – wenn unübersehbar – mit «Stress» und «Überarbeitung» erklärt. Adolf Hitler erschoss sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs (siehe hier und hier).

4. Josef Stalin (1878-1953): Auch der Zustand des sowjetischen Diktators wurde systematisch überhöht: «Der Genosse Stalin ist von unerschütterlicher Gesundheit und unermüdlicher Energie erfüllt», lautete eine typische Formulierung aus dem Kreml. Er wurde in den sowjetischen Medien als physisch robust, ja als praktisch «unverwundbar» dargestellt. Sein tatsächlicher Gesundheitszustand wich davon aber immer mehr ab. Im März 1953 erlitt Stalin einen Hirnschlag. Helfen konnte ihm dabei keiner mehr, denn der Diktator hatte zuvor alle seine Leibärzte ins Gefängnis stecken lassen. Er starb einige Tage danach (siehe hier).

5. Mao Zsedong (1893-1976): Der kommunistische Anführer Chinas liess die Berichterstattung über seinen Gesundheitszustand streng kontrollieren. Besonders in seinen letzten Lebensjahren entwickelte sich daraus ein System aus Geheimhaltung, Gerüchten und propagandistischer Inszenierung. «Der Vorsitzende Mao ist bei bester Gesundheit und führt uns sicher voran», bekam das chinesische Volk zu hören. Heute ist jedoch aufgrund von ärztlichen Berichten und Dokumenten klar, dass der Machthaber an Herzproblemen, Atemwegserkrankungen, starken Mobilitätseinschränkungen und zunehmenden Sprachstörungen litt. Trotzdem wurde er 82 Jahre alt (siehe hier).

6. Joe Biden (geboren 1942): Der physische und geistige Zerfall des 46. US-Präsidenten und Vorgängers von Trump wurde während seiner Amtszeit immer offensichtlicher: Man sah ihn immer wieder am Stürzen und Stottern. Doch aus dem Weissen Haus wurde unablässig beteuert, Biden sei «absolut fit», «gesund» und «energisch». Videosequenzen, die das Gegenteil zeigten, wurden als irreführend oder «aus dem Kontext gerissen» abgetan. Das Bild bekam endgültig Risse, als der medizinische Berichterstatter Robert Hur den US-Präsidenten als «wohlmeinenden älteren Mann mit schlechtem Gedächtnis» bezeichnete. Nach einem desaströsen Auftritt in einer TV-Debatte im Juni 2024 hatte Biden endlich ein Einsehen und verzichtete auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit (siehe hier, hier und hier).

Meine Einschätzung: Nein, Donald Trumps Gesundheitszustand ist offensichtlich nicht so schlimm wie der seines Vorgängers Joe Biden während der Zeit im Weissen Haus. Aber ebenso wenig der Fall ist wohl, dass der Republikaner der «gesündeste Mensch überhaupt» ist. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Trumps Gesundheit ist durchschnittlich für eine 80-Jährigen.

Weitere in Alex Reichmuth

Alle anzeigen

Weitere von Alex Reichmuth

Alle anzeigen