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Wir Journalisten hassen Elon Musk. Warum? Weil wir vor Neid verhungern.

Elon Musk's SpaceX has become one of the world's most valuable companies after its IPO, making Musk the first person to become a billionaire on paper. While some journalists express concerns about Musk's wealth and power, others criticize the focus on his success without acknowledging the ...

Wir Journalisten hassen Elon Musk. Warum? Weil wir vor Neid verhungern.
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Die Fakten: SpaceX ist nach ihrem Börsengang zu einer der wertvollsten Firmen der Welt aufgestiegen. Elon Musk geht – auf dem Papier – als erster Billionär in die Geschichte ein.

Warum das wichtig ist: Risiko! Grenzenlose Gier! Science-Fiction! Die Journalisten jammern, rümpfen die Nase, haben Bedenken. So schreibt man sich in die Irrelevanz.

Bloomberg News, ein angeblich wirtschaftsfreundliches Medium aus den USA, setzte früh den schlecht gelaunten Ton:

Und die NZZ, auch nicht als wirtschaftsfeindlich bekannt, zählte auf, was Musk nun in der Schweiz alles zusammenkaufen könnte, eine unvollständige Auswahl:

Was lustig gemeint sein sollte, wirkte eher wie ein Katalog des Neides.

Wenn der Kapitalismus überwunden werden soll, ohne dass man das so offen zugibt, weil die eigenen Verleger ja gerne Kapitalisten sind, dann wollen die Journalisten des Tages-Anzeigers, meistens wirtschaftsskeptisch, natürlich nicht zurückstehen

Während man hervorhebt, dass Musk zum Billionär werde, ohne je darauf hinzuweisen, dass das nur ein Buchwert darstellt, betont man das gerne, wenn es um die gewöhnlichen Anleger geht:

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Dass Musk, der Erzkapitalist, seine Mitarbeiter – vom Ingenieur bis zur Cafeteria-Angestellten – so grosszügig an seinem Triumph beteiligt: Man hätte auch das herausstreichen, wenn nicht loben können, jedem Linken müsste doch das Herz vor Freude springen: Nichts da.

Den depressivsten Kommentar schrieb vielleicht Markus Städeli in der NZZ:

Grenzenlose Gier? Ist es so geldgierig, wenn ein kleiner Anleger für seinen Ruhestand vorsorgen möchte und dafür selber das Risiko eingeht – statt es der AHV, also den übrigen Steuerzahlern, zu überbürden?

Hätte Markus Städeli je die Industrialisierung finanzieren müssen, wir würden heute noch mit der Pferdekutsche in die Ferien fahren.

Warum tun sich die Journalisten so schwer mit dem Aufstieg eines mittellosen Immigranten aus Südafrika zum reichsten Mann aller Zeiten? Zumal es an erster Stelle diese Berufsgruppe ist, die hier als verhaltensauffällig zu diagnostizieren ist: Man macht sich wirklich Sorgen um deren Gemütszustand.

Drei Mutmassungen:

  1. Wer geht unter die Journalisten? Es sind Menschen, die das Risiko scheuen. Es sind Leute, die nicht selber mitspielen wollen, sondern es vorziehen, am Spielrand zu stehen und das Geschehen zu beurteilen. Daumen rauf, wenn Musk etwas gelingt, Daumen runter, wenn Zuckerberg eine Milliarde verliert. Journalisten haben Angst vor dem Scheitern, sie fürchten die Niederlage mehr, als dass sie den Sieg lieben; nie würden sie sich trauen, etwas zu wagen.

    Sie schreiben freche Texte und leben ein schüchternes Leben. Das ist ja OK, nur, dass die Journalisten selten dazu stehen, sondern ihre Risikoaversion zur Voraussetzung für guten Journalismus erklären.
     
  2. 76 Prozent der Schweizer Journalisten haben sich in einer wissenschaftlichen Studie der ZHAW Winterthur selber als «links» eingestuft. Was heisst links? Man findet den Kapitalismus nicht so gut. Gewiss, an die Revolution glaubt keiner mehr, aber dass der Kapitalismus mehr Kritik verdient als Lob: Das ist eine schier unausrottbare Überzeugung der meisten Medienleute.

    Wenn dann einer wie Musk ständig Erfolg hat – und dabei noch politische, ja: rechte Vorlieben zeigt, wie sie den Journalisten zuwider sind, dann kann er es ihnen nie mehr recht machen. Kolonisten auf dem Mars? Der spinnt. Börsengang von SpaceX? Science-Fiction. Tesla? geht unter. X? hoffentlich auch.
     
  3. Neid ist die am meisten unterschätzte Eigenschaft des Menschen. Niemand gibt es zu, wenn ihn der Neid auffrisst, aber alle kennen dieses bedrängende Gefühl, das man kaum losbringt, selbst, wenn man weiss, dass es einen nur unglücklich macht. Journalisten sind vielleicht besonders davon betroffen – weil sie in den vergangenen Jahrzehnten einen spektakulären Niedergang ihrer Bedeutung erlitten haben. Die Digitalisierung und die damit einhergehende Demokratisierung der Informationsbeschaffung hat sie entmachtet – jeder ist inzwischen sein eigener Reporter geworden, wozu braucht es noch Journalisten?

    Gleichzeitig kämpfen die Medien ums wirtschaftliche Überleben, was selbstredend auf die Löhne drückt: die Journalisten verdienen immer weniger für eine Tätigkeit, die immer weniger geschätzt wird. Haben sie nicht allen Grund, eine schlechte Laune zu haben?

Und dann kommt Elon Musk, der in mancher Hinsicht an einen Journalisten erinnert: kann er nicht gar bessere Geschichten erzählen als mancher Reporter? Fantastischer, spannender, und zuweilen kaum zu glauben? Dass er damit zu Milliarden kommt, während Journalisten aus Spargründen das Abo für ihre eigene Zeitung inzwischen selber bezahlen müssen: Es ist eine Kränkung, so gross, dass sie bis zum Mars reicht.

Journalisten wollen keine Milliarde verdienen, das nicht, aber behaglicher leben würden sie genauso gerne. 

Kurz, Neid regiert die Welt – auch in den Redaktionen.

Litten nur die Journalisten darunter – ginge das ja noch. Leider stecken sie viele ihrer Leser damit an – was auf lange Sicht zu toxischen Einstellungen einer ganzen Gesellschaft führt. Zuerst toxisch, dann tödlich.

Wenn nämlich über Erfolg nur noch genörgelt wird, wenn Reichtum nur noch Anlass für Missgunst und Hass ist, wenn einzig darüber berichtet wird, wie viele Milliarden Musk nun dank SpaceX persönlich einstreicht, aber nie erwähnt wird: Dass Musk uns alle reicher macht, indem er Wohlstand schafft, dann wird der Kapitalismus am Ende wirklich überwunden.

Das wollen, soviel ich weiss, selbst die Journalisten nicht – wenn auch nur, weil es in der Höhle zu kalt ist, um das Leben am Laptop zu verbringen. Da friert selbst der Daumen ein, bevor er nach unten zeigen kann.

 

Ich wünsche Ihnen einen optimistischen Tag.

 

Markus Somm

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