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# Unsere Landwirtschaft ist eine sowjetische Planwirtschaft. Das müsste sie nicht sein. Das Beispiel Hess in Dürnten.
- URL: https://nebi.chessservices.de/unsere-landwirtschaft-ist-eine-sowjetische-planwirtschaft-das-musste-sie-nicht-sein-das-beispiel-hess-in-durnten/
- Published: 2026-07-14T00:00:00.000Z
- Updated: 2026-07-16T15:12:20.000Z
- Description: Der Artikel kritisiert die zunehmende Regulierung, die Abhängigkeit von Direktzahlungen und die Zollpolitik in der Schweizer Landwirtschaft, die nach Ansicht des Autors die Bauern von unternehmerischen Akteuren in abhängige Staatsbedienstete verwandelt. Als Gegenbeispiel dient der Bühlhof ...
- Author: Markus Somm
- Tags: Markus Somm, Somms Memo, #Import 2026-08-20 15:45

**Die Fakten:** Die schweizerische Landwirtschaftspolitik setzt zunehmend auf Regulierung, Direktzahlungen und Zölle.   
  
**Warum das wichtig ist:** Bauern sind keine Staatsangestellten und keine Kinder, sondern Unternehmer. Das zeigt ein Hof im Kanton Zürich. 

Ich hatte vergangene Woche das Glück, einen famosen Bauernbetrieb zu besuchen, den **Bühlhof** der **Familie Hess** in Dürnten. Dieser Ort liegt im **Zürcher Oberland** , und wenn man wie ich an einem sonnigen Tag hierher gerät, könnte man meinen, man hätte aus Versehen das **Paradies** gefunden: 

- Vor mir liegen **grüne Wiesen** , so grün, dass man sich kaum satt sehen kann, wenn man wie ich aus der Beton-Stadt kommt.
- In der Ferne bauen sich die **Schweizer Alpen** auf, die im Dunst zwar flimmern, und doch wirken, als hätte man das Bild nur heute so arrangiert, damit ein Fotograf eine **Postkarte** machen kann.
- Und natürlich treffe ich auf einen Hof, der sich als **sauberer** herausstellt als manch ein schweizerisches Wohnzimmer.

Die Bauern empfangen mich in schwarzen T-Shirts, **«Hess Select»** steht darauf, und der Name scheint Programm: Man ist stolz hier, zu einem ***winning team*** zu gehören.   
  
Tatsächlich sind das keine **Jammer- und Glünggi-Bauern** :   
  
Der Bühlhof ist ein **blühendes Unternehmen** , wo die heutige Geschäftsführerin, **Ramona Hess** , sich nicht dafür entschuldigt, dass sie Geld verdienen will – und das auch kann. Hier ist eine **kapitalistische Firma** zu besichtigen, kein Staatsbetrieb und keine Kinderkrippe. 

- Rund **200 Milchkühe**
- **100 Rinder**
- Spezialisiert auf **Milchproduktion** und **Viehzucht** – und das allein.

Man könne **«nicht alles machen»** , sagt ihr Vater, **Robert Hess** , – auch das Geheimnis des erfolgreichen Bauerntums liegt in der Fokussierung, im Wissen, was man am besten und am **profitabelsten** beherrscht. 

**1991** hat Robert Hess den Bühlhof gekauft. Dafür musste er, Sohn eines Kleinbauern, einen **beachtlichen Kredit** aufnehmen, der ihm eine **mutige, also tüchtige Bank** vorstreckte. Wenn man heute mit einem solchen Anliegen zur Bank käme, kein Bankier, der noch bei Verstand ist, würde Hess auch nur anhören, zumal diese Branche inzwischen der Landwirtschaft gleicht – was den **Regulierungs-Irrsinn** betrifft. Und wo immer die Beamten sich mit gutgemeinten Vorschriften oder mit nicht so gutgemeinten Auflagen ins Geschäft einmischen, verlieren die Unternehmer und Manager den **Biss** , die **Eigenverantwortung** , die **Risikofreude** .   
  
In der Landwirtschaft ist es mittlerweile so, dass ein Bauer jeden Tag **3000 Kontrollpunkte** überprüfen und einhalten muss, wie mir Ramona erzählt.   
  
**3000!**   
  
Ist das noch ein Leben? 

![](https://nebi.xbopp.com/content/images/2026/07/ImmermehrLandwirtschaftsbetriebeverschwinden.png) 

Wahrscheinlich ist den meisten Beamten und Politikern gar nicht bewusst, wie **zerstörerisch** ihr Wille zu allgemeinen Weltverbesserung sich auswirkt. Es sind ja nicht nur die vielen Vorschriften, die etwa einem Bauern den Beruf **versauern** , sondern peu à peu verändern sie dessen Mentalität: 

- Aus einem **selbstbewussten, wagemutigen Unternehmer** wird ein vorsichtiger, ängstlicher **Sous-Chef** , der stets auf der Hut ist, ja nichts falsch zu machen, wogegen er das **Richtige** vergisst.
- Ein wirtschaftlich unabhängiger, daher **politisch widerspenstiger Eigentümer** , der seit Generationen das Schweizerland bearbeitet, verwandelt sich in einen **Untertanen** , der den **Rücken krumm macht** , wann immer ein Inspektor vom Staat vorbeikommt, um zum Rechten zu sehen.

Übrigens haben diese «Inspektoren» meistens keine Ahnung. Einmal schickten die Behörden eine Kontrolleurin, die sich durch eine besondere Ignoranz auszeichnete. Als Hess fragte, was für einen Beruf sie denn habe, erfuhr er: **Goldschmiedin** . Er jagte sie vom Hof. 

![](https://nebi.chessservices.de/content/images/2026/07/unserelandwirtschaftisteinesowjetischeplanwirtschaftdasmuess_1aB10HybridEVGalaxySilverstatic6.jpg)

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Ramon Egger 

Wir betreten den Stall – und mit einer gewissen Verwunderung muss ich lernen, dass das ein Stall sein soll: 

- Es ist **hell** wie in einem **Möbelhaus** , Ikea in Dürnten, und geräumig wie in einer modernen Fabrik. Das Dach wölbt sich hoch über uns, und die Böden sind so reingefegt, man könnte jederzeit eine **Minestrone** von ihnen essen, um **James Joyce** zu zitieren. Der irische Schriftsteller sprach allerdings von der Zürcher Bahnhofstrasse.
- Wenn die Kühe Lust haben, dann essen sie, wenn nicht, dann legen sie sich hin oder gehen nach **draussen** , was sie jetzt allerdings kaum tun, da es ihnen zu heiss ist. Jedenfalls bewegen sie sich den ganzen Tag frei, und wenn sich die eine oder andere annähert, dann blickt sie mich mit grossen Augen an, um dann gleich wieder zu essen. Das Futter schiebt ihr ein **Roboter** hin.
- Um sicherzustellen, dass die Kuh auch wirklich **gut isst** , damit sie zunimmt und viel Milch gibt, fährt dieser Roboter auf und ab und macht ansehnliche Haufen aus dem Futter, was die Kühe offenbar schätzen und sie **zum mehr Fressen** verführt.

Denn hier geht ums **Geschäft** , nicht um **Romantik** , um Zahlen und eine *Bottom Line* . Davon versteht Ramona Hess einiges, zumal sie eigentlich eine Bankerin ist, die zuvor jahrelang auf einer Bank tätig war. Ihr muss man nichts vormachen, umso mehr regt sie sich über die **Agrarbürokratie** auf, wo Beamten ihr das Geschäft verderben. 

- Beide Hess sind überzeugt, dass man in der Landwirtschaft **gutes Geld** verdienen kann – besser: könnte, sofern die Politik nur **mehr Freiheit** gewährte.

Stattdessen herrscht hier die **sowjetische Planwirtschaft** , es wird die Produktion gesteuert und die Preise festgelegt, als gäbe es keinen Markt. Und wie seinerzeit in der **Kolchose** haben sich die Bauern seltsame Dinge gefallen zu lassen:   
  
In jedem normalen Geschäft geht der Unternehmer von seinen **Kosten** aus und schlägt dann eine Marge drauf, den Bauern dagegen wird zuerst ein Preis **aufgezwungen** , und ob die Kosten mit diesem Preis realistischerweise in Einklang zu bringen sind, ist sein Problem. Als würde man dem Bauern misstrauen und ihn für einen besonders schlimmen Ausbeuter halten. Dabei würde der Markt ohnehin dafür sorgen, dass der Bauer **seine Kosten im Griff behält** , schliesslich möchte er so viel Umsatz wie möglich machen.   
  
**Mehr Marktwirtschaft** beförderte die Innovation auch in der Landwirtschaft, das belohnte den tüchtigen Bauern, und strafte jenen ab, der schlecht bauert. 

![](https://nebi.xbopp.com/content/images/2026/07/DieSchweizerLandwirtschaftsbetriebeimUeberblick.png) 

**Der tüchtige Bauer.**   
  
In Dürnten werden die Kühe gar fürs Geschäft eingespannt: Zumal sie **sich selber melken** , was kostengünstiger ist. Dafür kommen mehrere **Roboter** zum Einsatz. Wenn ich meine **agrarromantischen Vorstellungen über das Bauerntum** je verloren habe, dann jetzt, da mir Ramona Hess ihre Melkmaschinen vorführt: 

- Wann immer es der Kuh danach ist, begibt sie sich **selbst** zur Melkmaschine und stellt sich in eine Art Gatter, wo vorne in einem Trog besonders leckeres Kraftfutter bereitliegt, sozusagen ein **Nutella-Brot für die Kuh** . Das bringt sie dazu, schön still zu stehen.
- Jetzt fährt eine Maschine unter ihren Bauch und eine **feine Bürste** reinigt die Zitzen und **stimuliert** sie gleichzeitig, damit die Milch einschiesst.
- Mit Hilfe eines **Lasers** suchen die Saugnäpfe nun gewissermassen selber die **Zitzen** , schliessen sich an und pumpen die Milch aus dem Euter
- Auf einer **Computerscreen** kann der Bauern genau überprüfen, wieviel Milch welche Zitze ergibt. Sobald der Saugnapf feststellt, dass weniger Milch kommt, lässt er die Zitze los und **beendet das Melken** .
- Unsere Kuh liefert etwa **16 Liter Milch** ab. Kaum ist ihr Euter leer, öffnet sich das Gatter und die Kuh kehrt zufrieden in die Herde zurück. **Zufrieden** ist sie, weil, wie mir Ramona Hess versichert, die Kühe gerne gemolken werden. Es entlastet sie, es erleichtert sie.

Dass das der Fall ist, mag man daran erkennen, dass die Kühe den ganzen Tag immer wieder zum Melken kommen. Ein **Chip** in ihrem Ohr, den die Maschine sofort liest, gibt allerdings an, wie oft schon, – und falls es zu oft war, geht das Gatter auf, ohne dass die Kuh gemolken worden ist. **Sie dürfen nur drei Mal pro Tag** . Doch wie mir die Kühe nachher zugesteckt haben: Sie würden gerne fünf Mal.   
  
Wer wissen will, wie **moderne Landwirtschaft** geht, muss den Bühlhof kennenlernen. Ich bin sicher, die Familie Hess würde ihn noch so gerne anderen zeigen, die ebensowenig von Landwirtschaft verstehen wie ich. An dieser Stelle: Danke für Eure Gastfreundschaft! Es war in jeder Hinsicht ein **erhellender Tag** .   
  
Und was die Bauern trifft, gilt nach wie vor, was der grosse Schweizer Autor **Jeremias Gotthelf** geschrieben hat:   
  
«Wo der Bauer verfällt, verfällt das Land.»   
  
Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag   

Markus Somm   
  
  
**Wer es genauer wissen will:** 

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