Die Fakten: Am Freitag wollen die USA und der Iran in Genf ein «Friedensabkommen» unterzeichnen. Trump spricht von einem «Great Deal».
Warum das wichtig ist: Amerika hat kapituliert. Trump macht sich lächerlich. Das ist der Tiefpunkt seiner politischen Karriere.
Im März 1984 entschloss sich die mächtige Gewerkschaft der Bergarbeiter in Grossbritannien, die «National Union of Mineworkers» (NUM), zum Streik, um die Regierung daran zu hindern, 23 unrentable Kohlenminen zu schliessen.
Geführt wurde diese Regierung von Margaret Thatcher (1925-2013), einer Konservativen, die, so sollte sich später herausstellen, eine der besten und erstaunlichsten Premierminister war, die Grossbritannien in seiner Geschichte je hatte.
- Sie blieb stur.
Der Streik dauerte einen Monat.
- Sie blieb stur.
Der Streik dauerte drei Monate.
- Sie blieb stur. Schon rieten ein paar ihrer politischen Berater zum Kompromiss, die Presse äusserte Bedenken, die Partei wurde unruhig, die Opposition sprach von Sodom und Gomorrha.
Der Streik dauerte 8 Monate. Niemand glaubte, dass Thatcher das politisch überstehen würde. In ihrer Partei wurden die Messer gewetzt.
- Sie blieb stur.
11 Monate, 3 Wochen und 4 Tage später, im März 1985, also nach fast einem Jahr, kapitulierte die Union unter ihrem autoritären, verblendeten Führer Arthur Scargill. Seine Gewerkschaft zählte damals 170'000 Mitglieder. Sie galt als eine Art Staat im Staat.

Nie mehr. Thatcher hatte die anmassenden, toxischen Gewerkschaften Grossbritanniens für immer entmachtet. Heute weist die National Union of Mineworkers noch 196 Mitglieder auf (2023).
- So wird man ein Staatsmann, so geht man in die Geschichte ein.
Indem man durchhält wie Thatcher, indem man sich ein strategisches Ziel setzt und verfolgt – in diesem Fall das überlebenswichtige Niederringen der undemokratischen Gewerkschaftsmacht. Überlebenswichtig, weil die britischen Gewerkschaften das Land seit Jahrzehnten mit ihren masslosen Forderungen an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht hatten – und darüber hinaus. Ohne Scargills Niederlage hätte sich Grossbritannien nie mehr erholt.
Warum erzähle ich diese Geschichte?
Weil Donald Trump das alles nicht ist und nicht hat.
Strategie? Besass er je eine? Obwohl ich bisher davon ausgegangen bin, dass er oder immerhin seine Berater eine langfristige Strategie im Auge behalten – und Hinweise darauf gab es – muss ich heute traurig gestehen: Ihm mangelt es an einer.
Sonst hätte er sich nicht so leichtsinnig von den Iranern über den Tisch ziehen lassen.
OK, der Inhalt des Papiers, das am Freitag zwischen den USA und Iran in Genf unterzeichnet werden soll, ist unbekannt. Wie viele und welche Konzessionen Trump den Islamisten von Teheran gemacht hat, bleibt offen.
Was aber durchgesickert ist, enttäuscht masslos:
Iran muss zwar die Strasse von Hormus öffnen, immerhin, dafür erhält es aber amerikanische Gegenleistungen, die enorm sind:
- Die USA heben die Blockade der iranischen Häfen auf. Diese Blockade hat dem Iran am meisten wehgetan; hätte Trump etwas mehr Geduld gezeigt: Das Regime wäre auf Knien nach Genf oder Washington gekrochen. (OK, nicht ganz einfach, dann halt mit Flügeli geschwommen).
- Was das Atomprogramm anbelangt, müssen die Iraner gar keine Vorleistung bringen: Im Gegenteil, erst nach Unterzeichnung des «Friedensabkommens» soll darüber weiterverhandelt werden. Frist: 60 Tage. Doch Trump hat den Eindruck erweckt, dass er ein ganz anderes Verständnis von Mathematik hat, wenn er von Fristen redet: Er hat sie dauernd hinausgeschoben. Aus 7 Tagen wurden 14 aus 14 dann 30, jetzt sind es 60 – und Trump hält sich immer noch für «super-tough».
- Schliesslich werden ein paar Sanktionen, unter denen die Iraner litten, sofort gelockert. Sie werden somit Milliardenbeträge freibekommen, die sie dringend benötigen, zumal ihre Wirtschaft am Ende ist. Auch dieses Element des «Great Deals» bedeutet, dass die Iraner für ihr Aussitzen, Verzögern, und Sich-Dumm-Stellen belohnt werden.
Warum ist Trump den Iranern auf den Leim gekrochen?
Hier kommt die zweite Schwäche von Trump ins Spiel:
Sein aussenpolitisches ADHS.
Wenn das Problem Venezuela oder die Gefangenenkrise in Gaza innert Stunden gelöst werden können, dann macht Trump das – und er beweist dabei viel Mut und Entschlossenheit. Dauert es jedoch zu lange, gleicht Trump einem kleinen Buben, dem nach zwei, drei Minuten das Interesse an seinem neuesten Lego-Star Wars-Raumschiff schon abhandengekommen ist.
- Wo ist der nächste Lego-Baukasten?
- Oder könnte ich nicht ein Bike haben?
Das ist das eine: eine dramatisch verkürzte Aufmerksamkeitsspanne.
Das andere: Trump ist ein Meister der Innenpolitik – und er ist ein Opfer der Innenpolitik.
Da er immer gewinnen will, kann ihn kaum etwas mehr aus dem Konzept bringen, als die Aussicht, die Zwischenwahlen zu verlieren. Dafür opfert er jeden Grundsatz. Lieber das Falsche tun und die Wahlen gewinnen, als das Richtige und Gefahr laufen, dass die Wähler (noch) nicht realisieren, wie recht er hatte.
- So wird man kein Staatsmann, so geht man nicht in die Geschichte ein.
Margaret Thatcher hätte mit Donald Trump kurzen Prozess gemacht. Wie? Sie hätte ihm alle Spielzeuge weggenommen und ihm aufgetragen, den Rasen zu mähen. Und ohne Znacht ins Bett.
Oder wie es die Matriarchin Thatcher selber gesagt hat:
«Beobachte deine Gedanken, denn sie werden zu Taten. Achte auf dein Verhalten, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden deinen Charakter formen. Beobachte deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal bestimmen.»
Ich wünsche Ihnen einen Trump-freien Tag
Markus Somm
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