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Schweizerdeutsch als «Herusforderig»

Im schweizerdeutschen Dialekt gibt es zwar keine offizielle Rechtschreibung, doch es haben sich gewisse ungeschriebene Regeln etabliert, die zunehmend missachtet werden. So wird der Genitiv konsequent durch den Dativ ersetzt, viele hochdeutsche Begriffe haben lokale Entsprechungen – etwa « ...

Schweizerdeutsch als «Herusforderig»
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Unser heimischer Dialekt – in seinen verschiedenen Ausprägungen  –  hat so viele schöne Eigenheiten. Bitte macht diese nicht kaputt!

Vorausgeschickt: DAS korrekte Schweizerdeutsch, vor allem in Bezug auf die Rechtschreibung, gibt es nicht. Die Beispiele, die ich im Folgenden aufführen werde, kommen in «meiner» Schreibweise – also einer Form des «Unterbaselbieterdütsch» – daher. Aber egal wie man in seinem Dialekt schreibt, und auch wenn es kein offizielles Regelwerk für Schweizerdeutsch gibt: Ein paar ungeschriebene Gesetze haben sich eben doch durchgesetzt. Und befinden sich in akuter Gefahr. 

So gibt es in unserer «Mundart» beispielsweise grundsätzlich keinen Genitiv. Der Fall, der im Hochdeutschen interessanterweise immer mehr vom Dativ verdrängt wird, darf – nein, muss – in unserem Dialekt durch den Dativ ersetzt werden. Man sagt hierzulande also nicht «Hüt isch Papis Geburtstag», sondern «Hüt isch em Papi si Geburtstag». Und deshalb gibt es auf Schweizerdeutsch auch keine «Lungeliga beider Basel»! Nein, die heisst bei uns «Lungeliga vo de beide Basel»! Und so musste ich auch den Kopf schütteln, als mir kürzlich in einem TV-Beitrag gesagt wurde, dass nun «d’Wuche der Berufsbildung» stattfinde. Tut das nicht weh in den Ohren?

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Überhaupt gibt es keinen Grund, wieso man offizielle Bezeichnungen nicht ins Schweizerdeutsche übersetzten soll, wenn man Schweizerdeutsch spricht. Wieso also kann man die «Miss Schweiz» im Dialekt nicht einfach als «Miss Schwiiz» (oder «Schwyz», und damit meine ich nicht den Kanton) bezeichnen? Und wieso nennen wir unser deutsches Nachbarstädtchen «Weil am Rhein» nicht «Weil (oder gar Wyyl) am Rhy»? Ist mir ein Rätsel. 

Genauso gut kann ich übrigens auf «Agenturdeutsch» (welches bereits im Hochdeutschen schrecklich technisch klingt) in unserem Dialekt sehr wohl verzichten. Aber wie oft muss ich mir am Radio doch anhören, dass irgendwo ein Unfall passiert sei, «wie d’Polizei brichtet». Bitte nicht! Die Formulierung « …, wie xy berichtet/mitteilt» hat in unserer Mundart nichts zu suchen. Es reicht, wenn man einfach sagt: «S’het en Unfall gäh, brichtet d’Polizei.» Und, liebe Radioleute, auch auf die Konjunktion «denn» dürft ihr im Schweizerdeutschen gerne verzichten, wyl mir in somene Näbesatz «wyl» und nid «denn» verwände! Merci.

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Und dann kommen wir noch zum fast grössten Ärgernis – dem Verwenden von hochdeutschen Wörtern, für die wir schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten unsere eigenen Begriffe kennen. So wird im Dialekt definitiv nicht «garbeitet»! Nein, bei uns wird «gschafft»! Mir tüen also au e neus Gsetz usschaffe und nid «usarbeite». Wenn wir mal Glück haben, dann ist das nicht zum «ufootme», sondern zum «ufschnuufe». Genauso wenig «springe» wir nicht, sondern «mir gumpe». Und wir «renne» nicht, sondern «mir seggle». Auch verwenden wir keine «Giesskanne», sondern eine «Sprützkanne», wir fallen nicht aufs «Hinterteil», sondern «ufs Fudi», wir laufen nicht «d’Träppe», sondern «d’Schtääge aabe» – und zu guter Letzt erleben wir keine «Herusforderig», sondern eine «Uuseforderig». Aber na ja, meistens reden wir da ja sowieso lieber gleich von der «Challenge». Doch das wäre dann wieder ein anderes Thema … In diesem Sinne: Aaadie!