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# Ohne neue Atomkraftwerke würde die Schweiz massiv von Stromimporten abhängig
- URL: https://nebi.chessservices.de/ohne-neue-atomkraftwerke-wurde-die-schweiz-massiv-von-stromimporten-abhangig/
- Published: 2026-06-29T00:00:00.000Z
- Updated: 2026-07-16T15:12:29.000Z
- Author: Alex Reichmuth
- Tags: Alex Reichmuth, Atomkraft, Atomenergie, Kernkraft, Kernenergie, ETH Zürich, PSI, Klima und Energie, Energiewende, Energieversorgung, Erneuerbare Energie, Energiepolitik, Stromkrise, Stromversorgung, Strompreis, Wissenschaft, #Import 2026-08-20 15:45

**Die Fakten:** Eine neue Studie der ETH Zürich und des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) kommt zum Schluss, dass die Stromversorgung der Schweiz auch ohne neue Kernkraftwerke sichergestellt werden könne. Allerdings gehen die beiden Hochschulen dabei von unrealistischen Annahmen aus, und diese Strategie würde erst noch zu einer inakzeptabel hohen Abhängigkeit vom Ausland führen.

**Warum das wichtig ist:** Die neue Studie dürfte ein gefundenes Fressen für Atomgegner sein. Denn diese Studie sagt auch, dass sich neue KKW höchstens dann lohnen, wenn die Baukosten deutlich tiefer wären als bei den letzten AKW-Projekten in Europa. Zudem müsste der Staat beträchtliche Subventionen bezahlen und einen Teil der Investitionsrisiken übernehmen. Übergangen wurde an der Medienkonferenz zur Studie aber, dass die Bedingungen für eine Stromzukunft ohne Atom fast nicht zu erfüllen sind.

**Das Zitat:** «Die Studie zeigt (...), dass die Schweiz ihr Netto-Null-Ziel mit bestehenden und geplanten Technologien erreichen kann, ohne dass dafür neue Kernkraftwerke notwendig sind.» (Medienmitteilung vom 29\. Juni 2026, siehe [hier](https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2026/06/wann-sich-neue-kernkraftwerke-in-der-schweiz-lohnen.html?ref=nebi.chessservices.de))

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**Die Studie im Detail:** Die ETH Zürich und das PSI haben heute Montag eine Studie veröffentlicht, die der Frage nachgeht, unter welchen Bedingungen sich neue Kernkraftwerke in der Schweiz lohnen würden. Daran waren 19 Energiefachleute der beiden Institutionen beteiligt (siehe [hier](https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2026/06/wann-sich-neue-kernkraftwerke-in-der-schweiz-lohnen.html?ref=nebi.chessservices.de)). Die wichtigsten Resultate:

- Die Schweizer Stromversorgung kann künftig mit einem Mix aus Wasser-, Solar-, Wind- und Biomassestrom sowie dem Einsatz von Batterien, weiterer Speicher sowie Importen gesichert werden. Neue Kernkraftwerke sind nicht unbedingt nötig, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen.
- Neue Kernkraftwerke lassen sich technisch zwar in ein Netto-Null-Energiesystem integrieren. Unter den aktuellen finanzpolitischen Bedingungen ist ihre Wirtschaftlichkeit aber nicht gegeben.
- Damit neue KKW ökonomisch wettbewerbsfähig sind, braucht es drei Voraussetzungen. Erstens müsste die öffentliche Hand beschliessen, neuen Atomstrom in ähnlichem Ausmass finanziell zu fördern wie erneuerbare Energie.
- Zweitens muss der Staat einen Teil des Investitionsrisikos übernehmen, um die Kapitalkosten von neuen KKW von marktüblichen acht auf fünf Prozent zu reduzieren.
- Drittens dürfen die Baukosten für neue KKW nicht zu hoch ausfallen. Diese sollten höchstens etwa 8000 Franken pro Kilowatt Leistung betragen, damit solche Werke zumindest gemäss einigen der verwendeten Energiemodelle rentabel wären. Bei manchen der letzten KKW-Projekte in Europa und den USA betrugen die Baukosten ab 12’000 Franken pro Kilowatt – insbesondere, weil die entsprechenden Reaktortypen zum ersten Mal gebaut wurden. Bei einigen aussereuropäischen Projekten wurden hingegen Baukosten von deutlich unter 8000 Franken erreicht.

**Die Voraussetzungen für eine Stromzukunft ohne neuen KKW:** Gemäss der Studie und der Medienmitteilung lässt sich das ableiten:

- Um die notwendige Menge an Solarstrom erzeugen zu können, müsste die PV-Installationsrate gegenüber heute steigen. Um im Jahr 2050 die angestrebte Leistung von 39 Gigawatt zu erreichen, müssten jährlich 1,7 bis 1,9 Gigawatt zugebaut werden. Bereits letztes Jahr ist die Installationsrate aber von 1,8 auf 1,5 Gigawatt zurückgefallen, und in diesem Jahr ging der Zubau nochmals zurück (siehe [hier](https://www.nzz.ch/schweiz/auf-den-putin-peak-folgt-die-ernuechterung-hausbesitzer-installieren-immer-weniger-solaranlagen-ld.10011498?ref=nebi.chessservices.de)). Dieses Ziel wird kaum erreichbar sein.
- Je nach Energiemodell müsste die Windkraft jährlich bis zu 8,6 Terawattstunden beitragen oder bis zu 9,8 Prozent der Stromerzeugung. Das würde aber rund 1500 Windräder von einer Grösse von über 200 Meter bedeuten. Angesichts des erbitterten Widerstands aus der Bevölkerung gegen jedes einzelne Windrad ist das kaum realistisch.
- Doch selbst wenn die erwähnten Ausbauziele bei Wind und Sonne erreicht würden, müsste die Schweiz im Winterhalbjahr bis zu 12,4 Terawattstunden Strom importieren. Das wären bis zu 43 Prozent des heutigen Stromverbrauchs im Winterhalbjahr. In den sonnenarmen Monaten Dezember und Januar dürfte der Importbedarf damit im schlimmsten Fall wohl 50 Prozent übersteigen. Das würde eine fatale Abhängigkeit vom Ausland bedeuten.
- Zum Vergleich: Heute importiert die Schweiz im Winter im Schnitt etwa fünf Terawattstunden Strom. Selbst im vergangenen Winter, als das KKW Gösgen wegen einer Revision stillstand, waren es nur sieben Terawattstunden.

**Meine Einschätzung:** An der Medienkonferenz von heute Montag wurde nicht weiter darauf eingegangen, unter welchen Bedingungen ein Verzicht auf neue KKW möglich wäre. Diese Voraussetzungen dafür erkennt man erst, wenn man das «Kleingedruckte» liest. Und diese Bedingungen sind kaum erfüllbar – und wenn, dann würde sich wohl eine unverantwortbare Auslandsabhängigkeit einstellen. Umgekehrt wäre der Bau neue Kernkraftwerke natürlich ein finanzieller «Hosenlupf» für das ganze Land. Mit einem solchen Generationenprojekt würde die Schweiz aber für viele Jahrzehnte von allen Stromsorgen befreit.

Die ETH Zürich hat in den letzten Jahren immer wieder Unterstützung geleistet für die weltfremde Energiewende-Politik von Mitte-links – mit fadenscheinigen Berichten und Studien. Dass die Hochschule nun erneut in die Welt hinausposaunt, eine klimafreundliche Stromversorgung ohne neue AKW sei möglich, ist bedauerlich.