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# Hat China Zukunft? Ein skeptischer Blick auf den Drachen, der noch fliegt und Feuer spuckt.
- URL: https://nebi.chessservices.de/hat-china-zukunft-ein-skeptischer-blick-auf-den-drachen-der-noch-fliegt-und-feuer-spuckt/
- Published: 2026-06-26T00:00:00.000Z
- Updated: 2026-07-16T15:12:32.000Z
- Description: Chinas Wirtschaft wächst langsamer, die Bevölkerung altert, das Finanzsystem ist angespannt, und der Konsum bleibt schwach – zugleich leidet das internationale Ansehen des Landes. In einem aufschlussreichen Artikel in *Foreign Affairs* analysiert die China-Expertin Francesca Ghiretti die s ...
- Author: Markus Somm
- Tags: Markus Somm, Somms Memo, #Import 2026-08-20 15:45

**Die Fakten:** Chinas Wirtschaft wächst langsamer, die Bevölkerung altert, das Finanzsystem ächzt, der Konsum stottert, der Ruf des Landes leidet.  
  
**Warum das wichtig ist:** China ist die Sensation des 21\. Jahrhunderts. Nun steckt es in der Krise. Ist sein Modell überholt?

In einem bemerkenswerten Aufsatz in der Zeitschrift *Foreign Affairs*, der Hauspostille sozusagen des aussenpolitischen Establishments der USA, hat die italienisch-britische Wissenschaftlerin **Francesca Ghiretti** die interne Lage **Chinas** analysiert. Ghiretti arbeitet in der europäischen Filiale der *RAND Corporation*, einem Think Tank, der weitgehend vom Pentagon finanziert wird.

Bemerkenswert, weil Ghiretti so gar nicht diese **schönfärberische** oder sagen wir: **geblendete Darstellung**von China teilt, wie sie so manche Manager und Unternehmer, auch schweizerische, verbreiten:

- China macht alles richtig, weil es **sooo langfristig** plant. Ob Wirtschaft und Technologie, ob Aussenpolitik oder Militär: Hier wird rational analysiert und dann ohne Verzug umgesetzt. Das Imperium der **klugen Technokraten**.
- Demgegenüber steht der **Westen**, dekadent und demokratisch, also unberechenbar. Insbesondere die **Amerikaner** hetzen von Quartal zu Quartal, lösen **Zollkriege** und richtige Kriege aus, wann immer es dem Bewohner des Weissen Hauses gefällt, während die Chinesen auf **Stabilität**, friedliches Zusammenleben der Völker setzen, und ja: Wenn sie auch **aufrüsten wie verrückt** – *expansiv*waren sie doch noch nie.
- Kurz: **China,** **Du hast es besser** – um ein uraltes, aber hellsichtiges Zitat von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1827 leicht abzuwandeln. Er sprach damals natürlich von Amerika.

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Ghiretti vermag den milden **China-Optimismus** nicht ganz nachzuvollziehen – und stützt sich dabei ausgerechnet auf die **offiziellen Berichte der Chinesen** selbst. Ghiretti gilt als China-Kennerin, sie spricht Mandarin. In ihren eigenen Studien erzählen die Chinesen recht offen von ihren **Sorgen** und **Miseren**, und das muss man anerkennen: durchaus **ungeschminkt**.

- Die Wirtschaft wächst **zu schwach** – in einem Land, wo der Wohlstand einem Regime Legitimität verschaffen muss – zumal es sich dem **politischen Wettbewerb**, wie er in einer Demokratie herrschen würde, und dem damit verbundenen **Urteil der Bevölkerung** entzieht.
- Zwar ist es den chinesischen Kommunisten gelungen, einige **Schlüsseltechnologien der Zukunft** korrekt zu erkennen – **KI, Atomkraftwerke, Pharma** – und staatlich zu fördern, doch in anderen Gebieten befürchten sie, ins Hintertreffen geraten zu sein: wie etwa **Halbleiter der jüngsten Generation**, **Industriesoftware** oder Präzisionsfertigungsanlagen. **Xi Jinping**, der faktische Diktator des Landes, hat angekündigt, sich dieser Defizite anzunehmen.
- Das **Finanzsystem** steht unter erheblichem Druck. Stichworte: **Immobilienkrise**, die enorme staatliche Verschuldung in den Provinzen, ebenso die prekäre Verfassung der **Regionalbanken**, die um die vielen ausstehenden Hypotheken zittern, schliesslich sinken in manchen Bereichen die Preise, so dass man von **Deflation** reden muss.
- Last but not least: **Donald Trump** und die Folgen. Seine Zölle musste er zwar zurücknehmen, nachdem sich China erfolgreich mit Gegenmassnahmen gewehrt hatte, dennoch löste er ein **Umdenken** nicht nur in den USA, sondern auch in der **EU** oder in **Indien** und **Lateinamerika** aus. Manche Länder sind aufgewacht: Der **besinnungslose und überrissene Export der Chinesen**, der mit Subventionen und anderen unerlaubten Mittelchen angetrieben wird, stösst zunehmend auf **Widerstand**.
- Da die Chinesen notorisch **zu wenig selbst konsumieren**, kommt dem ständig wachsenden Export eine fast **existenzielle Bedeutung** zu. Kann die chinesische **Industrie** ihre Produkte nicht im Ausland absetzen, bleibt sie auf ihrer Ware sitzen – und dem chinesischen Wirtschaftsmodell geht recht eigentlich die Puste aus. Mit gefährlichen sozialen und politischen Implikationen.
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Wenn auch die Selbstdiagnose der Chinesen zutrifft und wie erwähnt: **schmerzfrei** vorgenommen wird, bleiben die gleichen Chinesen **an der Oberfläche**, wenn es darum geht, die Ursachen zu ergründen.

- Meistens schreiben sie diese Schwierigkeiten der besonderen **Übergangsphase des «Sozialismus»** zu, in der sich das Land befinden soll – offensichtlich glauben die führenden Leute in Peking nach wie vor ans **marxistische Evangelium**.
- Oder sie machen das Ausland dafür verantwortlich, das aus **Neid** und **Missgunst** den Chinesen das Leben schwer mache – wofür es ja, wie erwähnt, durchaus Anzeichen gibt.

**Trotzdem greift das alles kurz.** In den Augen von Ghiretti sind es die strukturellen Rahmenbedingungen, die sich das Regime selbst gegeben hat, die das chinesische Erfolgsmodell **untergraben**.

- Sobald es hart auf hart kommt, setzt dieses Regime auf den **Staat** – und ***nicht*** auf den Markt. Wobei es fast humorig ist, dass man das betonen muss, immerhin handelt es sich um ein **kommunistisches Land** nach wie vor.
- Die Chinesen **intervenieren** in den Markt, und stellen ganz erstaunt fest, dass sie ihren Nöten nicht entkommen. Die meisten Interventionen führen nicht zum Ziel. Oder um es mit dem alten Freisinn zu sagen: «**Mehr Freiheit, weniger Staat»** würde eher helfen.
- Was ihnen unter dem grandiosen Reformer **Deng Xiaoping**eben gerade klar war: Dass etwas mehr Markt, etwas mehr Privateigentum dem Land ein ungeheures Wachstum ermöglicht haben – und nicht der Sozialismus und auch nicht der **alte, bärtige Marx**. Unter Xi Jinping, dem eher restaurativen **Mao-Bewunderer**, haben sie das wieder vergessen.
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Es ist paradox: Je mehr das Regime die Bise spürt, desto mehr vertraut sie auf den Staat, ohne sich bewusst zu sein, dass gerade der Staat die **ungünstigen Winde** ausgelöst hat.  
  
Ghiretti vergleicht China mit anderen grossen Reichen der Geschichte – und hier wird es besonders interessant – wie etwa dem **British Empire** oder der **Sowjetunion**, die allein wegen ihrer Grösse und ihres vergangenen Erfolgs ausserstande waren, sich **strukturell zu erneuern**.   
  
Liest man sie richtig, auch wenn sie explizit nicht so sagt, dann sieht sie eher schwarz, was die **Zukunft Chinas** anbelangt. Der Etatismus, der Sozialismus verbunden mit etwas Markt, das alte Modell, hat wohl ausgespielt, zumal der **Markt immer mehr zurückgedrängt** wird.  
  
**Deng Xiaoping** war da pragmatischer. Ob Markt oder Sozialismus, das war ihm einerlei, er gab sich **farbenblind**:  
  
«Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiss ist – Hauptsache, **sie fängt Mäuse**.»

Ich wünsche Ihnen ein geruhsames Wochenende  

Markus Somm  
  
  
**Wer es genauer wissen will:** 

- [Foreignaffairs](https://www.foreignaffairs.com/china/how-china-misperceives-itself?ref=nebi.chessservices.de)

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