Die Fakten: Eine Studie der OECD verlangt einen enormen Ausbau der Atomkraft.
Warum das wichtig ist: Jahrelang haben internationale Organisationen das Hohe Lied der Erneuerbaren gesungen. Nun denken sie um. Die Realität hat sie eingeholt.
Wenn zwei ausgebildete Historiker wie ich und mein Kollege Dominik Feusi in unserem Podcast Bern einfach seit Jahren davor warnen, dass Wind und Solarkraft volatile Energiequellen sind und deshalb die Kosten einer solchen Energieversorgung erheblich, zumal ständig ein Back-up bereitzustehen hat, – doch die Politiker es trotzdem besser wissen und nie auf uns hören, dann mag das zwei Dinge beweisen:
- Dass sich diese zwei Historiker überschätzen, was ihren Einfluss auf Politiker anbelangt.
- Dass man keinen PhD in Physik haben muss, um die trivialsten Gesetzmässigkeiten der Energieproduktion zu begreifen.
Umso grösser die Genugtuung unsererseits, wenn jetzt auch die OECD uns recht gibt. In einer ihrer jüngsten Studien zur Energieversorgung kommt sie zum Schluss, dass die Erneuerbaren, mithin Wind und Sonne, auf lange Sicht viel zu teuer sind – und daher ein Ausbau der Atomkraft unumgänglich ist. Die Nuclear Energy Agency (NEA) der OECD, die diese Studie vorgenommen hat, spricht gar von «prohibitiv teuer».
Faktoren dafür sind:
- Die Volatilität dieser Produktion erfordert wie erwähnt ein Back-up, sprich Kraftwerke, die nicht laufen, sondern nur angeworfen werden, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Was extrem viel kostet: Stellen Sie sich vor, Sie bräuchten für jeden Backofen, den sie im Haus betreiben, einen zweiten – bloss zur Sicherheit, oder für jeden Kühlschrank ebenso, und auch für ihr Auto kaufen sie einen Ersatz, der in der Garage steht. Das kostet viel Geld. Wenn es um ganze Kraftwerke geht, dann ist das in der Tat prohibitiv.
- Überdies belasten diese Produktionsstätten des unzuverlässigen Flatterstroms («komme ich heute, komme ich morgen») das Stromnetz über die Massen, dabei gilt zu allem Elend: je mehr Strom die Erneuerbaren ins Netz einspeisen, desto mehr Belastung. Das Stromnetz muss ausgebaut werden, schwierige Eingriffe ins Netz sind vonnöten, manche Stromabnehmer haben sich damit abzufinden, dass sie zeitweise keinen Strom erhalten, etc., etc.
Mit anderen Worten, auf die Idee mit Erneuerbaren die Energiewende zu schaffen, konnten nur Politiker kommen, die Geschichte oder Politologie studiert haben. Sicher kein vernünftiger Ingenieur.
Die OECD empfiehlt daher dringend neue Atomkraftwerke, zumal die gleichen Forscher damit rechnen – und das scheint plausibel –, dass der Strombedarf in den nächsten Jahrzehnten geradezu explodiert – man geht von einer Verdoppelung der globalen Nachfrage bis 2050 aus
Um diese Herausforderung zu meistern, so die OECD, hätten die Industrieländer allerdings ihre nuklearen Kapazitäten in einem Ausmass zu erhöhen, das vermutlich unrealistisch ist.
- Heute betragen diese weltweit etwa 400 Gigawatt.
- Erforderlich wären bis 2050 aber 1200 Gigawatt – was bedeuten würde, dass jedes Jahr 25 Gigawatt zugebaut werden müssten.
Das AKW Gösgen, eines der produktivsten Kraftwerke der Schweiz, weist eine Leistung von 1 Gigawatt auf. Kurz, es fehlt uns weltweit 400-mal Gösgen, und jedes Jahr sollten wir 25 AKW Gösgen errichten.
Kommt es dazu?
Die OECD ist zuversichtlich:
- «Zum ersten Mal seit Jahrzehnten entsteht ein breiter globaler Konsens über die strategische Rolle der Kernenergie – nicht nur als Quelle sauberen, regulierbaren Stroms, sondern auch als Grundlage für Energiesicherheit, industrielles Wachstum und langfristige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.»
- «Nach Jahren der Stagnation weiten sowohl etablierte als auch neue Industrieländer ihr Engagement für Kernenergie aus, während grosse industrielle Endverbraucher zunehmend deren Wert als zuverlässige und skalierbare Energiequelle erkennen.»
- «Diese Entwicklungen zusammen signalisieren einen tiefgreifenden Wandel: Kernenergie wird erstmals seit fast 50 Jahren zu einer zentralen Säule der globalen Energiestrategie.»

Breiter Konsens?
Wer sich die aktuelle Debatte in der Schweiz zum Thema anhört, kommt nicht umhin, uns für provinziell zu halten. Wir schlagen die Schlachten der 1970er Jahren, wie in Amerika ein paar Verrückte jedes Jahr den Unabhängigkeitskrieg nachstellen. Sie schiessen mit Platzpatronen einander tot, sie fahren eine Artillerie auf, die keinem etwas zuleide tut.
- Mental, so macht es den Anschein, campiert die Linke immer noch in den Zelten auf dem Bauplatz von Kaiseraugst.
Oder um es mit Charles F. Kettering zu sagen, dem amerikanischen Erfinder und Ingenieur, der lange die Forschungsabteilung von General Motors leitete:
«Ich interessiere mich für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens dort verbringen.»
Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende
Markus Somm
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