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# Amerika ist 250 Jahre alt. Der Schweizer Beitrag, Teil II.
- URL: https://nebi.chessservices.de/amerika-ist-250-jahre-alt-der-schweizer-beitrag-teil-ii/
- Published: 2026-07-08T00:00:00.000Z
- Updated: 2026-07-16T15:12:23.000Z
- Author: Markus Somm
- Tags: Markus Somm, Somms Memo, #Import 2026-08-20 15:45

**Die Fakten:** Amerika entstand 1776 als eine Republik. Dafür war auch die Schweiz verantwortlich. Zwingli und Calvin waren entscheidend.  
  
**Warum das wichtig ist:** Ohne Schweiz kein Amerika. Teil II.

Als die Amerikaner 1776 ihre **Republik** gründeten, eine Demokratie, die auf die **Selbstregierung** setzte, wären sie wohl nie auf diese Idee gekommen, wenn sie sie nicht schon vorher **gekannt** hätten.

Zwar unterstanden die **13 Kolonien** der britischen Krone, und der **König** schickte seine **Gouverneure**, die wie kleine Vize-Könige – je nach Kolonie – **absolutistisch** herrschten, doch im **Kommunalen** pflegten die Kolonisten oft eine **lokale Demokratie** – vor allen Dingen in **Neuengland**, dem Epizentrum der späteren Rebellion gegen die Briten. Sie wählten ihre Bürgermeister und Richter, sie stimmten in sogenannten ***Townhall Meetings*** über die wichtigen Fragen des Tages ab, sie versammelten sich zu einer Art **Landsgemeinde**, wie sie sonst nur in der Eidgenossenschaft gebräuchlich war.  
  
Dass sie das so selbstverständlich taten, hatte zum Teil mit politischen Traditionen zu tun, die sie aus ihrem **Mutterland**, England, mitgebracht hatten, zum wesentlicheren Teil lag es an der Art und Weise, wie sie ihre **Kirchen organisierten**, allesamt so gut wie durchgehend **protestantischer Konfession**, genauer: es waren ***reformierte*** **Kirchen** – nicht lutherische, die das frühe, koloniale Amerika bestimmten.  
  
Zumal die Lutheraner in Amerika **unerwünscht** waren. Man hielt sie lange – bis ins 19\. Jahrhundert – fern und hinderte sie sogar noch systematischer an der Einwanderung als die Katholiken. Wenn Protestanten hassten, dann richtig, und niemanden hassten sie mehr als andere Protestanten, die leicht von der aus ihrer Sicht richtigen Lehre abwichen: Die Reformierten **verabscheuten** die Lutheraner – und umgekehrt, und alle beide verfolgten die Wiedertäufer, die Quäker, die Methodisten, Baptisten und alle anderen Dissenters.

Die reformierten Kirchen unterscheiden sich in manchen **theologischen Fragen** von den Lutheranern (und Anglikanern), aber auch in organisatorischen, kirchlichen, und darauf kommt es hier in diesem Zusammenhang an:

- Die Reformierten haben **keine Bischöfe**,
- sie lehnen die **Monarchie** in der Kirche ab, wie sie die **römisch-katholische Kirche** auszeichnet, aber auch die Church of England oder die lutherischen Kirchen.
- Stattdessen ziehen die Reformierten die **kirchliche Selbstregierung** vor.
![](https://nebi.xbopp.com/content/images/2026/07/AusbreitungderReformationinEuropa.png) 

Man spricht vom **synodalen Prinzip**, weil hier Synoden die Kirche führen, eine Art Parlament, wo alle Kirchenmitglieder mit Stimmrecht vertreten sind.  
  
Manchmal kommt den Ältesten, den sogenannten Presbytern eine hervorgehobene Rolle zu, zuweilen der Gemeinde allein, vielfach wird das gemischt, immer aber gilt ein **republikanischer Ansatz**:

- Die **Synode** (oder die Ältesten) wählt die Pfarrer, sie verwaltet das Budget und führt die Kirche, ja gelegentlich klärt sie gar theologische Fragen.

Gewiss, auch die **Lutheraner** unterhalten Synoden, aber immer in Kombination mit einem **Bischof**, der wiederum dem Landesherrn unterstellt war, ob wir das nun in Deutschland oder in Skandinavien betrachten. Der preussische König war Oberhaupt der evangelischen Landeskirche geradeso wie der schwedische König der Kirche von Schweden als Schutzherr vorstand. Die lutherische Kirche blieb **monarchisch**, es handelte sich gewissermassen um **konstitutionelle Monarchien**.  
  
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Wir reden immer noch von der **Kirchenorganisation**, nicht von der weltlichen Politik.  
  
Und doch hatte diese Kirchenorganisation der reformierten Kirchen **ausserordentlich politische Auswirkungen**. Zumal die Kirchen (neben den Armeen) lange die grössten Organisationen darstellten, mit denen die Menschen vertraut waren – grosse Unternehmen etwa, wie wir sie heute kennen, gab es nicht, und der Staat war in der Regel die **Angelegenheit einer kleinen Elite**.

![](https://nebi.chessservices.de/content/images/2026/07/amerikaist250jahrealtderschweizerbeitragteilii_OettingerDavidoffHumidor1190526OettingerDavidoff.jpg)

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Wenn wir uns daher fragen, warum die amerikanischen Kolonisten den **Mut** aufbrachten, ihre Republik nach dem **Prinzip der Selbstregierung** aufzubauen, dann lag es an den Erfahrungen, die sie in ihren Kirchen tagtäglich machten. Sie wussten, wie sich das anfühlt, wenn man sich selbst regiert.  
  
Aber woher kannten die reformierten Kirchen überhaupt dieses **synodale Prinzip**, wo hatten sie diese Art der kirchlichen Selbstregierung gelernt?

- **Aus der Eidgenossenschaft.**

Genauer: die **reformierten Kirchen** waren seinerzeit, im frühen 16\. Jahrhundert, in Zürich und in Genf entstanden, **Zwingli** und **Calvin** hatten die kirchliche Selbstregierung erfunden, weil sie – und jetzt kommt die Pointe – ihre Reformation in einem Land vollzogen, das selbst **faktisch eine Republik** war, wo die Selbstregierung seit dem 14\. Jahrhundert vorgeherrscht hatte. 

- Die republikanischen, demokratischen Verhältnisse in der eidgenössischen Politik war **Vorbild für die reformierte, republikanische Kirche**, die wiederum anderen republikanischen Staatswesen den Weg bahnte.
- Es war ein **Tugendkreis**.

Deshalb kann man den indirekten Beitrag der Schweiz an die Gründung Amerikas kaum überschätzen. Er stellte sich als eine conditio sine qua non heraus, als **unverzichtbare Voraussetzung**. Ohne reformierte Kirchen, wie sie insbesondere die **Puritaner**, also die englischen Calvinisten, nach Neuengland gebracht hatten, wäre es den Amerikanern ungleich schwerer gefallen, sich auch politisch für die **Selbstregierung** zu entscheiden und diese durchzusetzen. Man kannte sie aus der Kirche, sie hatte sich bewährt.  
  
Was aus einem **anti-feudalistischen Reflex** hervorgegangen war, wie er in Europa fast allein den Eidgenossen eigen war, der dezentrale, mitunter **fast anarchische Republikanismus**, hatte sich in der reformierten Kirche fortgesetzt: 

- **Zwingli** führte die synodale, also **parlamentarische Verfassung** in seiner Kirche ein,
- **Calvin** übernahm sie im Wesentlichen, schliesslich sollte sie weltweit alle reformierten Kirchen in der einen oder anderen Form prägen.
- Es handelt sich wohl um den **grössten schweizerischen Exporterfolg** aller Zeiten.
![](https://nebi.xbopp.com/content/images/2026/07/DiegespalteneRepublik.png) 

Diese zutiefst eidgenössische Auffassung der Selbstregierung: Sie fand ihren Weg nach Holland, nach England, nach Schottland, vor allen Dingen nach Amerika, mit **unvorstellbaren Implikationen**:  
  
«Oft weisen die Engländer etwas eingebildet auf ihr Parlament als die ‹Mutter der Parlamente› hin und sehen darin den Ursprung des westlichen demokratischen Ideals», urteilt der renommierte britische Kirchenhistoriker **Diarmaid MacCulloch**:   
  
«Sie vergessen, dass ihr parlamentarisches System über weite Strecken seiner Geschichte wenig Demokratisches an sich hatte, wenn man es an modernen Standards misst, wogegen die synodale, repräsentative Form der kirchlichen Regierung im **reformierten Christentum** weit weniger dazu neigte, sich der etablierten gesellschaftlichen Hierarchie zu fügen, als dies bei den englischen Parlamentariern zu beobachten war. Das **synodale Modell** erhielt besondere Relevanz, als die Führer der Amerikanischen Revolution 1776 sich von der eigenen Erfahrung in ihren reformierten Kirchen inspirieren liessen, um **neue Formen der politischen Regierung** zu schaffen.»

Ohne Eidgenossenschaft kein Amerika, wie wir es kennen – könnte man etwas zugespitzt formulieren, aber **nicht ganz unzutreffend**.  
  
Auf vielfachen Wunsch von Lesern, die mein gestriges Memo gelesen haben: Ich werde das Buch schreiben.  
  
**Titel: Without Switzerland no America, Stupid!**

Ich wünsche Ihnen einen Schweizer Tag  

Markus Somm  
  
  
**Wer es genauer er wissen will:**

- Ich habe mich mit dem schweizerischen Beitrag an die Gründung Amerikas bereits – und ausführlicher – in meinem Buch über die Wirtschaftsgeschichte unseres Landes befasst: *Warum die Schweiz reich geworden ist. Mythen und Fakten eines Wirtschaftswunders*, Bern 2024, 4\. Auflage.

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